04.08.2021: Die Vereinheitlichung der Europäischen Aufsichtspraktiken nimmt weiter Fahrt auf.

Wertpapierkurs Börse

Am 22. Juli 2021 gab die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bekannt, dass sie die Leitlinien der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zu Artikel 25 der AIFM-Richtlinie (2011/61/EU, AIFM: Alternative Investment Fund Managers) anwenden wird.

Die Leitlinien hatte die ESMA am 23. Juni 2021 veröffentlicht und den Aufsichtsbehörden zwei Monate Zeit gegeben, sie über die beabsichtigte Anwendung oder Ablehnung der Leitlinien mit einer Begründung im Falle einer Nichteinhaltung zu informieren.

Mit den Leitlinien wird weiterhin das Ziel verfolgt, eine kohärente, effiziente und wirksame Aufsichtspraktik zu schaffen.

Inhaltlich beziehen sich die Leitlinien auf die Bewertung des Systemrisikos bei Hebelfinanzierungen und bestehen wiederum aus zwei Leitlinien und zwei Anhängen:

1. Leitlinien zur Bewertung des Systemrisikos in Bezug auf Hebelfinanzierungen

  • Die zuständigen Behörden müssen mehrere qualitative und quantitative Informationen beachten, um das Ausmaß für die Entstehung von Systemrisiken bei der Nutzung von Hebelfinanzierungen beurteilen zu können.
  • Die Risikobewertung sollte vierteljährlich und in zwei Schritten, welche die ESMA in ihren Leitlinien genauer erläutert, erfolgen:
    • Umfang, Quelle und unterschiedliche Nutzung von Hebelfinanzierungen,
    • Systemrisiko in Bezug auf Hebelfinanzierungen.

2. Leitlinien für die Begrenzung des Umfangs von Hebelfinanzierungen

  • Die zuständigen Behörden sollten bei der Entscheidung über Obergrenzen für Hebelfinanzierungen bei AIF, welche Risiken für die Finanzstabilität darstellen, die der Art und das Risikoprofil sowie die Risiken, die von gemeinsamen Risikopositionen ausgehen, berücksichtigen.
  • Die Obergrenze sollte gut überlegt sein und bezüglich des Zeitpunktes, schrittweiser Einführung und Beendigung gewissenhaft umgesetzt werden.
  • Um eine angemessene Obergrenze für Hebelfinanzierungen festzulegen sollte berücksichtigt werden, inwiefern solche den Risiken von Marktauswirkung, Notverkäufen, Ansteckung finanzieller Gegenparteien und Störungen der Kreditvermittlungstätigkeit entgegenwirken.

3. Anhang I: Nutzung von externen Daten zum Zweck der Risikobewertung

  • Die ESMA veröffentlicht jährlich einen statistischen Bericht über AIF in der EU, auf die die zuständigen Behörden für Datenvergleiche zurückgreifen können.
  • Die ESMA macht darauf aufmerksam, dass es unter bestimmten Umständen erforderlich ist, externe Daten einzubeziehen, um die Risikopositionen des AIF in Bezug auf seine Gegenpartei oder dem Markt zu messen.
  • Die ESM stellt eine Tabelle mit Datenquellen zur Verfügung.

4. Anhang II: Fallbeispiele (zur Veranschaulichung)

  • Im Anhang II veranschaulicht die ESMA Fallbeispiele für die Bewertung von Hebelfinanzierung.

Wir begrüßen die Anwendung der Leitlinien und die damit einhergehende Vereinheitlichung der Aufsichtspraktiken.

Quelle: ESMA. BaFin

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