12.09.2019: Finale Version zum Rundschreiben 06/2019 (BA) - Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch wurde Mitte August 2019 veröffentlicht.

Anlagebuch

Mit der Konsultation 06/2019 Ende März 2019 präsentierte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Entwurf zur Neufassung des Rundschreibens 09/2018 (BA) - Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch. Begründet wurde die Überarbeitung mit den internationalen Vorgaben der EBA-Leitlinien (EBA/GL/2018/02 – IRRBB), welche am 30.06.2019 in Kraft traten. Dies steht auch im Zusammenhang mit den anstehenden Neufassungen der CRD V und CRR II, denen laut BaFin aber nicht vorgegriffen wird. Das finale Rundschreiben 06/2019 wurde Anfang August 2019 von der BaFin versendet und soll nun das oben genannte Rundschreiben ablösen.

Das zwischenzeitlich zur Konsultation stehende Rundschreiben wurde von der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) stark kritisiert. Die Anmerkungen der Deutschen Kreditwirtschaft wurden am 14.05.2019 in der 9. Präsenzsitzung des Fachgremiums IRRBB besprochen und in einem Ergebnisprotokoll festgehalten. Viele angemerkte Punkte der DK wurden in der Sitzung des Gremiums klargestellt und einige Vorschläge auch in das neue Rundschreiben eingearbeitet. Bei einigen Punkten wies man jedoch auf einen geringen Handlungsspielraum durch die Vorgaben der EBA hin.

In diesem Beitrag möchten wir auf folgende Punkte eingehen:

  • Wesentliche Änderungen zu Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch
  • Ausgewählte Kritikpunkte der DK
  • Einige Änderungen des finalen Rundschreibens ggü. der Konsultation

Nach der Richtlinie 2013/26/EU (CRD IV) müssen nationale Aufsichtsbehörden prüfen und bewerten, ob Institute ein beständiges Risikomanagement über ihre internen Prozesse sowie eine solide Risikoabdeckung gewährleisten können. Demnach sind Maßnahmen seitens der nationalen Behörden zu ergreifen, wenn Institute ein erhöhtes Zinsänderungsrisiko aufweisen. Dabei wurde als Indikator festgelegt, dass wenn der wirtschaftliche Wert der Geschäfte des Anlagebuchs bei einer überraschenden Zinsänderung von 200 Basispunkten um mehr als 20% der Institutseigenmittel fällt, dann besteht ein erhöhtes Zinsänderungsrisiko. Darin mit eingeschlossen ist auch die Kapitalfestsetzung in SREP (Supervisory Review and Evaluation Process). Um die internationalen Vorgaben der EBA umzusetzen, wurde u.a. Folgendes angepasst:

1. Weitere Zinsszenarien und Frühwarnindikator:

Es wurden 6 weitere Zinsszenarien eingeführt, deren negative Auswirkung der Zinsänderung ins Verhältnis zum Kernkapital (Tier 1) gesetzt werden und nicht wie bisher zu den gesamten regulatorischen Eigenmitteln der Bank. Dabei gilt eine Überschreitung der 15 %-Schwelle als „Frühwarnindikator“.

Zur Konsultation kritisierte die DK, dass die vorgegebenen Zinsszenarien keine realistische Zinsänderung widerspiegeln. Letztere seien im historischen Verlauf nie unmittelbar eingetreten, sondern waren erst nach längeren Zeithorizonten zu beobachten. Demnach forderte sie, dass die Institute einen Zeithorizont in ihre Berechnung einfließen lassen dürfen.

Die BaFin stellte in ihrer Sitzung vom 14.05.2019 klar, dass die Kalibrierung der Schockszenarien auf Basis historischer Daten durchgeführt wurde. Zudem würden im Rundschreiben ausschließlich stichtagsbezogene Schocks beschrieben und dynamische Betrachtungszeiträume seien auch in den EBA-Guidelines nicht vorgesehen.

Die DK forderte außerdem eine Umformulierung in Bezug auf die 15 %-Schwelle zur Einstufung als „Institut mit erhöhten Zinsänderungsrisiken“. Diese sei missverständlich und könnte in den Instituten eine Fehlsteuerung verursachen.

Die Aufsicht betonte, dass Überschreitungen der Schwellen zu keinen automatischen Handlungen der Aufsicht führen. Im Rundschreiben ist hierzu folgender Satz aufgeführt: „Aufsichtliche Maßnahmen, die ausschließlich aus einer Überschreitung dieser Schwelle resultieren, sind nicht vorgesehen“. Dieser Hinweis befand sich jedoch auch schon im Konsultationsentwurf der BaFin.

2. Berechnung des Barwertverlustes:

Bei der Ermittlung der Barwertänderung haben die Institute von einer statischen Betrachtung auszugehen. Soll heißen, dass nur das Bestandsgeschäft zu berücksichtigen ist. Bei der Berechnung des Barwertverlustes können Institute ihre internen Verfahren anwenden vorbehaltlich, dass diese die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) erfüllen.

2.1 Notleidende Forderungen (NPE):

Neu ist, dass auch notleidende Forderungen in die Modellierung der Cashflows einbezogen werden müssen, sofern die NPE-Quote (NPEs relativ zu allen Krediten) des Instituts mindestens 2 % beträgt. Zudem soll die Modellierung die Höhe der erwarteten Cashflows sowie deren zeitliches Auftreten widerspiegeln.

In ihrer Sitzung vom 14.05.2019 betonte die Aufsicht, dass sie angesichts der internationalen Vorgaben keinen Spielraum sehe. Es handle sich aber um eine Mindestvorgabe.

2.2 Einlagen von Finanzinstituten:

Einlagen von Finanzinstituten müssen als täglich fällig betrachtet und nicht mehr modelliert werden.

2.3 Margen in Cashflows:

Die Anforderungen zur Herausrechnung von Margen aus den Zahlungsströmen wurde im Konsultationsentwurf präzisiert und die Finanzinstitute müssen eine transparente Margenermittlung ausgehend von risikofreien Zinssätzen bei Geschäftsabschluss sicherstellen.

2.4 Fremdwährungspositionen:

Zur Erleichterung bei Fremdwährungspositionen wird eine Materialitätsschwelle von 5 % pro Währung benannt. Darunter können Fremdwährungen aus der Berechnung ausgeschlossen werden. Wenn die so berücksichtigten Positionen weniger als 90 % der Vermögenswerte ausmachen, so sind auch Währungen unter der 5 % Marke einzubeziehen.

Die DK merkt an, dass der Abschnitt zu den Fremdwährungspositionen im Rundschreiben schwer nachzuvollziehen ist und fordert eindeutige Beispiele. Zudem muss aus Sicht der DK die Zusammensetzung und Zuordnung des Anlagebuchs analog des BCBS-Dokumentes im Rahmen des überarbeiteten Rechtsrahmen für Mindestkapitalanforderungen für Marktrisiken konkretisiert werden.

Im Rundschreiben formulierte die Aufsicht diesen Abschnitt zum besseren Verständnis leicht um. Bei der Konkretisierung der genauen Zusammensetzung und Zuordnung des Anlagebuchs verwies sie in ihrer Sitzung vom 14.05.2019 darauf, dass die Abgrenzung zwischen Anlage- und Handelsbuch nicht im Regelungsbereich des Rundschreibens liegt. In diesem Fall wurden daher keine weiteren Anpassungen vorgenommen.

2.5 Zinsuntergrenze:

Auf jede Währung ist eine laufzeitabhängige Zinsuntergrenze – beginnend mit -100 Basispunkten für Positionen mit sofortiger Fälligkeit – für die Zinsstrukturkurve nach Anwendung des Zinsschocks anzuwenden, die pro Jahr um 5 Basispunkte steigt (ab 20 Jahre 0 %).

Die DK forderte bei ihrer Stellungnahme ein Beispiel zu den laufzeitabhängigen Zinsuntergrenzen. Die bisherige Beschreibung sei nicht eindeutig und könne zu unterschiedlichen Interpretationen führen.

Eine einmalige Beispielrechnung inklusive Zinsuntergrenze hat die BaFin unter der Fußnote 7 des Rundschreibens vermerkt.

Gleichzeitig betonte die Aufsicht in ihrem Protokoll der Sitzung vom 14.05.2019, dass keine laufende Aktualisierung der Tabelle erfolge, da die Schockhöhe von der Zinsuntergrenze abhängig sei.

3. Informationsbedürfnisse:

Institute müssen die Auswirkungen der aufsichtlichen Zinsschocks auf Einzel- sowie Gruppenebene berechnen und melden. Dazu zählt folgendes:

  • die Höhe des Zinsbuchbarwerts,
  • die absolute Barwertänderung sowie den Koeffizienten aus Barwertänderung und regulatorischen Eigenmitteln im Falle einer Zinserhöhung um +200 Basispunkte,
  • die absolute Barwertänderung sowie den Koeffizienten aus Barwertänderung und regulatorischen Eigenmitteln im Falle eines Zinsrückgangs um -200 Basispunkte,
  • die absolute Barwertänderung sowie den Koeffizienten aus Barwertänderung und Kernkapital für die 6 Zinsszenarien des Frühwarnindikators,
  • die Behandlung von Margencashflows,
  • ob das Institut vom Gruppen-Waiver nach § 2a Absatz 1 und 2 oder Absatz 5 KWG Gebrauch macht.

Allgemeine Kritikpunkte der DK zum Rundschreiben:

Die DK betont,

  • dass das Rundschreiben aus ihrer Sicht keine Verbesserung zur „objektiven aufsichtlichen Einschätzung der Zinsänderungsrisiken bei deutschen LSIs“ bringt.
  • dass sie nachvollziehen kann, dass die BaFin die EBA-Leitlinien für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch umsetzten möchte, um zu einer aufsichtlichen Harmonisierung in Europa beizutragen. Die DK kritisiert allerdings, dass dabei die Diversität und die individuelle Situation der Institute nicht mehr ausreichend Beachtung finden.
  • dass die betriebswirtschaftlichen Anforderungen an ein Regelwerk zur Risikofrüherkennung an vielen Stellen nicht gegeben sind.
  • die neuen Vorgaben zu erheblichen Implementierungsaufwänden, besonders in den währungsspezifischen Schockszenarien sowie den laufzeitabhängigen Zinsuntergrenzen, in den Instituten führt.

Basierend auf den von ihr genannten Punkten fordert die DK eine Übergangsfrist bis mindestens Juni 2020.

Seit dem 30.06.2019 sind die IRRBB EBA Leitlinien für alle Kreditinstitute im Sinne von § 1 Absatz 1 KWG, die nicht explizit von der Anwendung ausgenommen sind, zu beachten.

Die Neufassung des Rundschreibens 09/2018 (BA) soll zum 31.12.2019 in Kraft treten. Zu diesem Stichtag soll auch die Meldung der neuen Kennzahlen und die Berechnung der aufsichtlichen Zinsschockszenarien erfolgen. Sollte es zu einer verzögerten Veröffentlichung der neuen FinaRisikoV kommen, soll die Meldung im Excel-Format erfolgen. Die Aufsicht wird den Instituten dazu eine entsprechende Vorlage zukommen lassen. Der von der DK geforderten Übergangsfrist kommt die Aufsicht demzufolge nicht nach.

Wir empfehlen den Instituten, sich jetzt schon mit dem Rundschreiben 06/2019 (BA) – Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch vertraut zu machen, da die ersten Meldungen zu den Zinsschocks unter Verwendung der neuen Berechnungsvorgaben bereits dieses Jahr erfolgen sollen. Daher bleibt den Instituten nur ein kurzer Umsetzungszeitraum. Gerne unterstützt das impavidi-Team Ihr Institut dabei.


 

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