10.12.2019: Risikoreduzierungspaket - EBA konsultiert Entwurf zu ITS im Meldewesen.

Konsultationspapier

Die im Juni 2019 finalisierten Vorgaben der CRR II sowie die Änderungsverordnung EU/2019/630 über Mindestanforderungen für die notleidenden Risikopositionen (NPL-Backstop) waren vor allem Anlass für die im Oktober 2019 von der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) eröffneten Konsultation zur Überarbeitung der technischen Durchführungsstandards (Implementing Technical Standards - ITS) für das aufsichtsrechtliche Meldewesen. In diesem Zuge wird auch eine Vereinfachung der Offenlegung durch die Verwendung von bereits bestehenden Datenpunkten aus dem Meldewesen avisiert. Den Entwurf für das neue Rahmenwerk stellt die EBA bis zum 16.01.2020 zur Konsultation. Für Juni 2020 plant die EBA den finalen Entwurf der EU-Kommission vorzulegen. Ab dem Meldestichtag 30. Juni 2021 müssen die Kreditinstitute die geänderten Meldevorschriften anwenden.

Zeitplan zu EBA-ITS für das aufsichtsrechtliche Meldewesen

Zeitplan zu EBA-ITS für das aufsichtsrechtliche Meldewesen (Quelle: impavidi GmbH, in Anlehnung an EBA)

Wir möchten im Folgenden auf die Eckpunkte des Konsultationspapiers der EBA eingehen. Da die Änderungen recht umfangreich sind, empfehlen wir, zusätzlich das Konsultationspapier (nur in englischer Version verfügbar) zu lesen.

Eigenmittel

Die CRR II bringt neue Anforderungen für Eigenmittel und deren Offenlegung mit sich. Diese beinhalten u.a. neue Positionen, die die zusätzlichen Abzüge von Eigenmitteln widerspiegeln, wie beispielsweise den Abzug für die unzureichende Deckung notleidender Kredite (non performing exposures – NPEs). Die neuen Positionen befinden sich in den Templates C 01.00 und C 05.01. Des Weiteren wurden die Templates C 04.00 und C 05.01 gestrafft, indem die Informationen über den Basel-I-Floor und die bereits abgelaufenen Übergangsbestimmungen eliminiert wurden.

NPL Rücklaufsperre

In Anlehnung an die Backstop-Verordnung hat die EBA drei Meldebögen für die COREP-Meldung entwickelt und im Zuge dessen auch die finanziellen Angaben für NPEs entsprechend der strukturellen Änderungen von COREP erweitert. So können die Aufsichtsbehörden die Berechnung der spezifischen, auf kumulierten Wertminderungen basierenden Kreditrisikoanpassungen überwachen, die nach geltenden Rechnungslegungsrahmen erfasst wurden. Diese stellen einen wichtigen Bestandteil der Backstop-Berechnung der Mindestverlustabdeckung nach CRR II dar.

Es handelt sich hierbei um folgende Vordrucke:

  • C 35.01: Berechnung der Abzüge für notleidende Kredite (NPE LC1),
  • C 35.02: Mindestdeckungsanforderungen und Positionswerte von notleidenden, nicht gestundete Krediten (NPE LC2),
  • C 35.03: Mindestdeckungsanforderungen und Ausfallwerte für notleidende, gestundete Kredite (NPE LC3).

Des Weiteren wurde die Definition von NPEs aus der FINREP entfernt, da sie nun Teil der CRR II ist. Darüber hinaus schlägt die EBA vor, in FINREP einen neuen Meldebogen (F39) für die halbjährliche Meldung von NPEs einzuführen.

Kreditrisiko

Eines der zentralen Anliegen der CRR II ist es, den Instituten zu erleichtern, Kredite an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Infrastrukturprojekte zu vergeben. Mit der CRR II wurden Bestimmungen eingeführt, um die Eigenmittelanforderungen für Kredite bei Infrastrukturprojekten zu verringern und den Umfang der Kredite, die der bestehenden Reduzierung der Eigenmittelanforderungen für KMUs unterliegen, zu erweitern.

Mit der CRR II wird außerdem das Rahmenwerk für kollektive Kapitalanlagen ("CIUs") an die vom Basler Ausschuss (BCBS) geänderten Eigenkapitalanforderungen für Beteiligungen von Instituten in Fonds (veröffentlicht im Dezember 2013) angepasst. Die überarbeiteten Bestimmungen führen neue Berechnungsmethoden für die Eigenkapitalanforderungen für diese spezifische Art von Krediten sowohl im Look-Through-Ansatz als auch im mandatsbasierten Ansatz und dem Fallback-Ansatz (neu) auf. Die überarbeiteten SA-Vorlagen (Standardised Approach) ermöglichen die Analyse dieser neuen Regelung und liefern detailliertere Informationen über die verschiedenen verwendeten Ansätze. Dazu wurden in den Templates C 07.00 und C 09.01 zusätzliche Zeilen zu den drei möglichen Ansätzen sowie die Abzüge aufgrund von Krediten zu CIUs hinzugefügt.

Offenlegungspflichten zum Kreditrisiko:

Um die Offenlegungspflichten so weit wie möglich an die aufsichtsrechtlichen Meldungen anzugleichen, müssen alle von den Instituten offengelegten Informationen auch durch die aufsichtsrechtliche Meldepflicht übermittelt werden. Durch fünf neue Templates ist eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den Instituten sowohl bei den Aufsichtsbehörden als auch bei der Öffentlichkeit gegeben.

Kontrahentenausfallrisiko

Im Zuge der Basel-III-Reform wurde das Rahmenwerk für das Kontrahentenausfallrisiko in CRR II überarbeitet und ersetzt somit die Standardisierte Methode (SM) sowie die Mark-to-Market-Methode (MtMM) durch den Standardised Approach for Counterparty Credit Risk (SA-CCR) (wir berichteten). Die SA-CCR kann sich jedoch bei kleineren Instituten als zu komplex und kostspielig erweisen. Aus diesem Grund beinhaltet die CRR II auch eine vereinfachte Version der SA-CCR (die "vereinfachte SA-CCR") und eine aktualisierte Version der Ursprungsrisikomethode (Original Exposure Method – OEM) als alternative Ansätze für diese Institute. Damit die Aufsichtsbehörden überwachen können, ob die Institute die vordefinierten Zulassungskriterien für die Anwendung der vereinfachten Ansätze erfüllen, wurden Informationen für die Berechnung der Schwellenwerte (Vorlage C 34.01) in den ITS aufgenommen.

Offenlegungspflichten zum Kontrahentenausfallrisiko:

Auch beim Kontrahentenausfallrisiko wurden wie beim Kreditrisiko neue Vordrucke eingeführt, um die neuen Offenlegungspflichten über die ITS zu erfüllen:

  • C 34.07 beinhaltet alle relevanten Parameter für die Berechnung der Eigenkapitalanforderungen an das Kontrahentenausfallrisiko der Institute, welche IRB-Modelle verwenden.
  • C 34.11 enthält eine Kapitalflussrechnung, in der die Änderungen des Kontrahentenausfallrisikos der gewichteten Risikoaktiva (Risk Weighted Asset (RWA)), die nach der IMM (Internal Model Method) für das Kontrahentenausfallrisiko ermittelt wurden, erläutert wird.

Leverage Ratio

Bei der Leverage Ratio handelt es sich im Wesentlichen um die Umsetzung der ab Juni 2021 geltenden Mindestanforderung an die Verschuldungsquote in Höhe von 3 Prozent. Gegenüber der Leverage Ratio nach der delegierten Verordnung 2015/62 wird die Definition der Leverage Ratio basierend auf den Basel III-Reformen geändert. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von EU-spezifischen Besonderheiten, die häufig dazu führen, dass bestimmte Kredite von der Berechnung der Leverage Ratio ausgenommen werden. Infolgedessen wurde die Berechnung der Leverage Ratio in erheblichem Umfang angepasst, was wiederum zu detaillierten Anforderungen führt, die in der Meldung berücksichtigt werden müssen. Daher wurden folgende Vordrucke angepasst bzw. erweitert:

  • C 44.00: Angaben darüber, ob das Kreditinstitut eine öffentliche Förderbank ist oder über eine öffentliche Förderabteilung verfügt, sowie Angaben zur Garantie für diese Banken,
  • C 47.00 (LRCalc): Ausnahmeregelung entweder für Kredite an Investitionen des öffentlichen Sektors oder für Förderkredite verschiedener Art,
  • C 40.00: Die oberste Gegenpartei von öffentlichen Investitions- und Förderkrediten sind gemäß Artikel 429a Absatz 1 Buchstabe d) des CRR ausgenommen. Die Vorlage basiert auf dem Verständnis, dass diese Ausnahmeregelung nur für Förderkredite gilt, die Forderungen an die Regierung/den öffentlichen Sektor darstellen.

Des Weiteren wurden die Templates C 48.01 und 48.02 hinzugefügt, um die Anforderungen für große Institute zu erweitern.

Großkredite

Die CRR II bringt einige Änderungen am Großkredit-Rahmenwerk mit sich. Die Berechnung der Großkreditgrenzen basiert auf einer höheren Kapitalqualität ("anrechenbares Kapital" wurde durch "hartes Kernkapital" ersetzt). Die Meldepflicht für Kredite mit einem Wert von mehr oder gleich 300 Mio. EUR, aber weniger als 10 Prozent des harten Kernkapitals des Instituts auf konsolidierter Basis, wurde in die Meldung der Großkredite einbezogen. Die Einführung der neuen Sonder-Obergrenze für Großkredite (15 Prozent des harten Kernkapitals eines Instituts anstelle der allgemeinen 25 Prozent) wurde in den Vordruck C 26.00 in eine neue Zeile aufgenommen. Diese Obergrenze ist allerdings nur dann anwendbar, wenn es sich dabei um Kredite an systemrelevante Institute handelt. Hierbei spielt keine Rolle, ob der Sitz des Kreditnehmers innerhalb oder außerhalb der EU liegt.

Des Weiteren wurden mit dem Ziel, den Meldeaufwand für Institute zu verringern, die Meldebögen C 30.00 und C 31.00 entfernt. Die Templates zur Identifizierung der Gegenpartei (C 27.00), zu den Krediten im Nichthandels- und Handelsbuch (C 28.00) und zur detaillierten Darstellung des Kredits gegenüber einzelnen Kunden innerhalb von Gruppen verbundener Kunden (C 29.00) wurden überarbeitet.

NSFR

Im Rahmen der CRR II müssen Institute ab Juni 2021 die Anforderungen einer 100% Net Stable Funding Ratio (NSFR) erfüllen. Die notwendigen Informationen der neuen Anforderung werden bis dato noch nicht in den derzeitigen Meldepflichten vermittelt, um diese Berechnung zu ermöglichen. Die EBA schlägt vor, die bisherige aufsichtsrechtliche Meldung über die stabile Finanzierung, die hauptsächlich zu Kalibrierungszwecken über die Meldebögen C 60.00 und C 61.00 bestand, durch völlig neue Meldebögen zu ersetzen, die die Überwachung der Einhaltung dieser neuen Anforderung ermöglichen. Die neuen vorgeschlagenen Anhänge XXVI und XXVII sollen für die Kreditinstitute Teil V der Anhänge XII und XIII ersetzen.

Zwei unterschiedliche Sets von Meldebögen wurden eingeführt: eines für den Standard NSFR und eines für den vereinfachten NSFR. Zu jedem Set wurden zwei Templates beigefügt, eines für die verfügbaren Positionen der stabilen Finanzierung (ASF-Available Stable Funding) und ein weiteres für die benötigten Positionen der stabilen Finanzierung (RSF-Required Stable Funding).

Die kleinen und mittleren Unternehmen können die Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörde einholen, um die vereinfachten NSFR anzuwenden und dementsprechend die vereinfachten Meldebögen (C 82.00 und C 83.00) anstelle der komplexen Meldebögen (C 80.00 und C 81.00) einzureichen.

Weitere Inhalte

Neben einem Fragenkatalog beinhaltet das Konsultationspapier Beispiele zur Klarstellung der einzelnen Punkte sowie ein NSFR Berechnungs-Tool. Außerdem wird eine Kosten-Nutzen-Analyse aufgeführt bzw. eine Folgenabschätzung dargestellt.

Fazit

Mit den Änderungen der ITS im aufsichtsrechtlichen Meldewesen kommen viele neue Anforderungen mit einem knappen Umsetzungszeitplan auf die Institute zu. Basierend auf den allgemeinen Änderungen von CRR zu CRR II wird dies auch viele andere Bereiche betreffen. Auch mit dem Gedanken an eine stressige Zeit für die Institute begrüßen wir eine EU-weite regulatorische Harmonisierung. In Bezug auf die Anpassungen der ITS bleibt zu hoffen, dass sich dadurch die versprochene zukünftige Effizienz und Aufwandsreduzierung im Meldewesen zeigt. Zu wünschen bliebe dennoch ein längerer Umsetzungszeitraum.

Das impavidi-Team steht Ihrem Institut für die Umsetzung der neuen Anforderungen an die Meldebögen gern zur Verfügung.


Quelle: EBA


 

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