25.01.2018: Neuausrichtung des Risikotragfähigkeitsleitfadens – ein Zwischenbericht

Risiko absichern können

Die Zeit bleibt auch für die Bankenaufsicht nicht stehen. Die regulatorische Welt um ICAAP (Internal Capital Adequacy Assessment Process) und ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process) hat sich weitergedreht, so dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf kurz oder lang gezwungen war, ihre Erwartungen an die Risikotragfähigkeitssteuerung der Institute zu überdenken. Wie wir in unserem Artikel „Leitfaden zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte wird neu ausgerichtet.“ vom 11. September 2017 berichteten, legte die BaFin Anfang September 2017 ein Diskussionspapier zur Neuausrichtung ihres aus 2011 stammenden Leitfadens zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte vor.

Die Neuausrichtung des Risikoleitfadens orientiert sich an den Erwartungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zum ICAAP der bedeutenden Institute, die auf der Mehrjahresplanung des Leitfadens zum Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism, SSM) beruhen. Gleichzeitig werden die Erwartungen der EZB an weniger bedeutende Institute antizipiert. Demzufolge soll künftig jede Risikotragfähigkeitssteuerung mindestens zwei Perspektiven umfassen: Eine normative und eine ökonomische Perspektive. Die normative Perspektive umfasst die Gesamtheit aller regulatorischen und aufsichtlichen Anforderungen und der darauf basierenden internen Anforderungen. Sie stellt für nicht EZB beaufsichtige Institute eine Neuerung gegenüber den „Going-Concern“-Ansätzen dar. Letztere können zunächst weiterhin als Steuerungsansätze genutzt werden. Die Frage ist, wie lange noch die „Going-Concern“-Ansätze alter Prägung zulässig sind.

Die ökonomische Perspektive dient der langfristigen Sicherung eines Institutes und zum Schutz der Gläubiger vor Verlusten. Beide Perspektiven sind eng miteinander verwoben, bieten aber unterschiedliche Blickwinkel auf die Risikotragfähigkeit eines Institutes. Sie zeichnen sich durch zahlreiche neue Elemente und Anforderungen aus, die bei den Instituten zu erheblichem Aufwand führen werden.

Die Konsultationsphase endete am 17. Oktober 2017, bis dahin konnten Organisationen und Verbände ihre Stellungnahmen einreichen. Des Weiteren fand am 21. November 2017 ein Treffen mit dem Fachgremium MaRisk statt, wo gemeinsam der Konsultationsentwurf der BaFin erörtert wurde.

Entgegen unserer Annahme, dass der neue Leitfaden zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte Ende 2017 finalisiert und veröffentlicht wird, stellte die BaFin am 21. Dezember 2017 den 2. Entwurf des Diskussionspapiers zur Neuausrichtung des Risikotragfähigkeitsleitfaden zur Konsultation.

Daraufhin begrüßte die Deutsche Kreditwirtschaft, die Interessensvertretung der fünf kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände in Deutschland, dass sie ein zweites Mal Stellung zum Diskussionspapier nehmen durfte. In ihrer Stellungnahme lobte die deutsche Kreditwirtschaft die Vorgehensweise der Bankenaufsicht, dass die Neuausrichtung des Risikotragfähigkeitsleitfadens gemeinsam mit den „betroffenen“ Wirtschaftsverbänden diskutiert wurden. Sie bewertet positiv, dass viele Anregungen der Kreditwirtschaft in den Entwurf hineingeflossen sind. Laut Deutscher Kreditwirtschaft führen die eingearbeiteten Anpassungen grundsätzlich zu einem besseren Verständnis für die Neuausrichtung.

Ausblick

Die Veröffentlichung des neu abgestimmten Leitfadens zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte verschiebt sich nun auf das erste Quartal 2018.
Wir erwarten im Zusammenhang mit dem neuen Risikotragfähigkeitsleitfaden im Laufe des Jahres 2018 auch grundlegende Anpassungen der regelmäßigen einschlägigen Meldung der Institute an die Bundesbank.

Unser Team von impavidi steht ihrem Institut bei Fragen rund um die Ermittlung des Risikos und der Risikotragfähigkeit unterstützend zur Seite.


 

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