31.05.2017: Auslagerung von Unterstützungsleistungen zu Kernkompetenzen ist auch innerhalb der aktuellen MaRisk möglich.

Auslagerung und Spielfiguren

Die 5. Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) beinhaltet schwerpunktmäßig das Thema Auslagerung. Konkretisierungen der bestehenden Regulierung erfolgten basierend auf den Prüfungserfahrungen der Aufsichtsbehörden. Insbesondere die Kernkompetenzen eines Kreditinstituts werden als nicht auslagerungsfähig aufgeführt.

Einzelne Geschäftsprozesse auszulagern kann für Kreditinstitute trotzdem sinnvoll sein, um Kosten und Ressourcen einsparen zu können. Denkbar ist es, z. B. die Abwicklung des Kredit- und Zahlungsverkehrs, die Verwaltung von Verträgen, das Betreiben eines Call Centers oder die Entwicklung und Betreuung von Online-Services externen Dienstleistern zu überlassen. Derartige Auslagerungsmaßnahmen sollten jedoch gut vorbereitet sein. Dabei müssen die Kreditinstitute aufsichtsrechtliche Anforderungen (MaRisk, KWG, etc.) sowie angemessene Qualitäts- und Sicherheitsstandards befolgen.

Das Auslagerungsmanagement wird als ein Prozess innerhalb des Risikomanagements verstanden und ist Bestandteil des internen Kontrollsystems (IKS). Die Entscheidung, bankfachliche (Teil-)Bereiche auszulagern, muss auf einer risikoorientierten Analyse basieren. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen im laufenden Betrieb muss diese Risikoanalyse regelmäßig wiederholt werden. Prüfungs- und Kontrollprozesse müssen ausgewertet und den vertraglichen Vereinbarungen gegenübergestellt werden.

Auslagerung birgt für Kreditinstitute mehrere Vorteile. Neben den Kosteneinsparpotenzialen kann durch die Erfahrungen der spezialisierten Dienstleister die Bearbeitungsqualität in den einzelnen Bereichen verbessert werden. Weiterhin kann sich das Kreditinstitut durch die Auslagerung der Infrastruktur stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Demgegenüber stehen auch Risiken, die zu beachten sind: Die Kostenvorteile und der Nutzen der Auslagerungen sind langfristig schwierig zu quantifizieren, so dass die Geschäftsleitung die Kontrolle der Kosten in den ausgelagerten Bereichen verliert. Ferner sind Kontrollmechanismen zu etablieren.

Bei der Analyse, welche Prozesse sich für eine Auslagerung eignen, empfehlen wir, das Augenmerk nicht nur auf die offensichtlichen Bereiche IT, Revision oder Compliance zu richten. In hohem Maße eignen sich auch Bereiche, die die Kernkompetenzen unterstützen, z. B. der Prozess zur Implementierung neuer Produkte (NPP). Im Ergebnis werden die regulatorischen Vorgaben effizienter erfüllt und dementsprechend die Time-to-Market für neue Produkte wesentlich verkürzt.


 

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