25.01.2017: Analytical Credit Dataset (AnaCredit) – Stand der Umsetzung

EZB Gebäude

Knapp ein Jahr haben die meldepflichtigen Kreditinstitute in Deutschland noch Zeit, ihr Meldewesen nach den Vorgaben von Analytical Credit Dataset (kurz: AnaCredit) umzustellen. Dies verlangt vom Großteil der Institute hohe Anstrengungen im Jahr 2017.

AnaCredit ist eine Verordnung zur Erhebung granulare Kreditdaten, die am 18. Mai 2016 durch das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) beschlossen wurde. Mit AnaCredit verfolgt das ESZB das Ziel, eine harmonisierte Datenbasis für die Inanspruchnahme und Vergabe von Krediten aufzubauen. Diese standardisierten und regelmäßig erhobenen Daten stehen der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken für statistische und geldpolitische Auswertungen zur Verfügung. Sie sollen der EZB eine genaue Kenntnis über Art, Höhe, Laufzeit, Kreditnehmer und Risikoinformationen von vergebenen Krediten verschaffen. Darüber hinaus sollen die Daten für aufsichtsrechtliche Zwecke genutzt werden. Mithilfe dieser Daten sollen Risiken innerhalb des europäischen Finanzsystems frühzeitig erkannt werden.

Die Einführung eines harmonisierten granularen Kreditmeldewesens auf EU-Ebene wird mehrstufig erfolgen. Die im Mai 2016 verabschiedete EU-Verordnung spezifiziert für Kreditinstitute die Meldepflichten der Stufe 1. Diese schreibt vor, dass Kreditinstitute alle Kreditarten (keine Derivate) an Kreditnehmer, die keine natürlichen Personen sind, ab einer Grenze von 25.000 EUR je Kreditnehmer an die Aufsicht melden müssen. Ab Anfang 2018 sind – bis auf wenige Ausnahmen – alle Kreditinstitute meldepflichtig. Für notleidende Kredite gibt es zurzeit keine spezielle Meldegrenze. Eine Ausweitung der Meldepflichten und des Meldeumfangs ist zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Dies wird in weiteren Stufen - jedoch mindestens 2 Jahre vor der geplanten Umsetzung - angekündigt.

EZB-Verordnung und die Umsetzung in Deutschland

Bereits im Juni 2016 hat die Bundesbank ihre nationale Anordnung, welche die Auslegung der europäischen AnaCredit-Vorgaben für meldepflichtige Kreditinstitute in Deutschland umfasst, im Bundesanzeiger veröffentlicht. Diese unterscheidet sich in einzelnen Punkten zur EZB-Verordnung. Die folgende Übersicht zeigt die Unterschiede auf.

AnaCredit – Vergleich EZB-Verordnung und nationale Anordnung der Bundesbank
AnaCredit – Vergleich EZB-Verordnung und nationale Anordnung der Bundesbank, © impavidi

Die Bundesbank verzichtet nicht auf die Meldepflicht für Auslandsfilialen. Demzufolge kommt deutschen Kreditinstituten, die über Niederlassungen in mehreren EU-Ländern verfügen, ein erheblicher Mehraufwand zu, um die verschiedenen nationalen Anforderungen in ihrem Meldewesen umzusetzen. Sie müssen unterschiedliche Meldezeitpunkte, verschiedene Meldeumfänge sowie abweichende Meldeerleichterungen bzw. -ergänzungen je Land beachten und ggf. Doppelmeldungen (im Land der Filiale und im Land der Bank) abgeben.

Außerdem werden zur Identifikation gleicher Vertragspartner bei unterschiedlichen Banken nationale Kennungen angefordert. In Deutschland wird hierbei die Registernummer des Handels-, Vereins-, Genossenschafts- und Partnerschaftsregisters verwendet. Auch wenn mögliche Feedback-Loops durch die EZB vorgesehen sind, wird die Bundesbank zunächst davon keinen Gebrauch machen und keine Daten z.B. über Kreditnehmer an die Banken zurück liefern.

Die Besonderheit der Datenübermittlung bei AnaCredit liegt darin, dass sie feingranular geschieht. Das bedeutet, dass die Daten nicht aggregiert, sondern loan-by-loan (auf der Ebene des einzelnen Kredits und Kreditnehmers) erhoben werden. Die Meldefrequenz hängt vom Attribut ab. Es reicht von einer einmaligen, anlassbezogenen Meldung (z.B. Stammdaten), über eine quartalsweise Datenlieferung (z.B. Accounting-Daten) bis hin zu monatlichen Auskünften (z.B. Kreditdaten).

Neben der stark angestiegenen Anzahl der Meldungen wird die größte Herausforderung für meldepflichtige Kreditinstitute und ausländische Niederlassungen sein, die melderelevanten Daten aus den verschiedenen Bereichen (z.B. Fachabteilungen, Rechnungswesen, Risikomanagement) und Systemen zu beschaffen und in erforderlicher Granularität und Qualität bereitzustellen. Hierzu muss die Datenkonsistenz geprüft werden, um den Anforderungen der Bundesbank gerecht zu werden. Aber es sind auch Daten gefordert, die bisher nicht meldepflichtig waren und aktuell zum Teil gar nicht oder nicht in der geforderten Qualität im Meldewesen vorliegen. Dementsprechend müssen Meldewesensysteme und Schnittstellen überarbeitet werden, um die erforderlichen Daten liefern zu können. Dadurch entstehen ein erheblicher Arbeitsaufwand und hohe Implementierungskosten für die Institute.

Welche Schritte müssen die Kreditinstitute unternehmen?

Aufgrund des ambitionierten Umsetzungsplans der EZB und der Bundesbank (siehe Rundschreiben der Bundesbank) spüren die Kreditinstitute einen erhöhten Druck, die gesamten Anforderungen durch AnaCredit in der kurzen vorgegebenen Zeit umzusetzen. Sie müssen jetzt handeln und Ihre Vorbereitungsarbeiten zur rechtzeitigen Erfüllung der Meldeanforderungen intensivieren. Es muss die bestehende Lücke im Meldewesen analysiert, der Handlungsbedarf identifiziert und darauf aufbauend ein passendes Konzept zur Umsetzung der AnaCredit-Anforderungen erstellt werden. Ferner wird es notwendig sein, die bestehende IT-Struktur und Meldewesen-Software anzupassen, um ein rechtzeitiges Reporting sicherzustellen.

Mit der Meldewesen-Software BAIS (Banken-Aufsicht-Informations-System) kann Ihr Institut die hohen Anforderungen von AnaCredit erfüllen und die Daten vollständig und in der geforderten Qualität rechtzeitig liefern. Dafür wurde das Modul BAIS AnaCredit entwickelt. Es bietet flexible Einsatzmöglichkeiten. Für Anwender von BAIS integriert sich das Modul komplett in die bestehende Datenversorgung und Abläufe. Der Vorteil ist, dass Teile der geforderten Meldedaten heute schon in BAIS vorhanden sind. Aufgrund des flexiblen Umsetzungskonzepts kann das Modul aber auch eigenständig eingesetzt werden. Mit BAIS AnaCredit kann der gesamte Meldeprozess vollständig automatisiert werden.

Als Implementierungspartner der Meldewesen-Software BAIS unterstützen wir Sie bei der Gap-Analyse, der Konzeption und anschließenden technischen Umsetzung der AnaCredit-Anforderungen.


 

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