21.07.2017: BCBS stellt vereinfachten Standardansatz zur Ermittlung von Eigenkapitalanforderungen für Marktpreisrisiken zur Konsultation.

Handelsbuch

Im Januar 2016 veröffentlichte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) neue Mindesteigenkapitalanforderungen für Marktpreisrisiken. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil des Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) [wir berichteten]. Demnach sind die Kreditinstitute verpflichtet, spätestens ab Ende 2019 die Eigenkapitalunterlegung für alle Marktpreisrisiken entweder nach dem neuen sensitivitätsbasierten Standardansatz (SbM) oder nach einem internen Modell Ansatz (IMA) zu berechnen.

Kleinere Institute besitzen häufig weniger risikobehaftete Handelsgeschäfte bzw. nur ein geringes Volumen und haben keine ausreichende Infrastruktur, um die SbM anzuwenden. Vor diesem Hintergrund schlug der Basler Ausschuss in seinem Konsultationspapier von Juni 2017 eine reduzierte sensitivitätsbasierte Methode (R-SbM) vor, die eine Reihe von signifikanten Vereinfachungen gegenüber der SbM enthält (siehe Abbildung). Bei dieser Methode müssten die kleineren Institute eine geringere Anzahl von Sensitivitäten berechnen.

Signifikante Vereinfachungen gegenüber der SbM
Abbildung: Signifikante Vereinfachungen gegenüber der SbM, © impavidi GmbH

Um jedoch die R-SbM verwenden zu dürfen, müssen Kreditinstitute auf Grundlage einer vierteljährlichen Bewertung folgende Kriterien erfüllen:

  • Das Institut darf weder global (G-SIB) noch national (D-SIB) systemrelevant sein.

  • Das Institut darf sich nicht mit Optionen beschäftigen (mit der Ausnahme von Back-to-Back und gedeckten Optionen).

  • Das Institut darf den internen Modellansatz (IMA) nicht für einen ihrer Handelsbereiche verwenden.

  • Gemessen nach dem relevanten Rechnungslegungsstandard, darf die Gesamtsumme der nicht-derivativen Vermögenswerte und Schuldpositionen des Handelsbuchs zuzüglich der Summe des Brutto Fair Value des Handelsbuchs, Derivatvermögen und Verbindlichkeiten im Handelsgeschäft des Instituts 1,0 Mrd. EUR nicht überschreiten.

  • Die gesamten marktrisikogewichteten Aktiva des Instituts, bei Nutzung der R-SbM, geteilt durch die gesamten risikogewichteten Aktiva müssen weniger als 5 Prozent betragen.

  • Der Gesamtbetrag der nicht über zentrale Kontrahenten abgewickelten Derivate (einschließlich Bankbuch- und Handelsbuchpositionen) darf eine bestimmte Höhe in EUR nicht überschreiten. Diese Höhe muss noch festgesetzt werden.

  • Die Bank darf keine Korrelationshandelspositionen halten.

Darüber hinaus unterliegt die Verwendung der R-SbM der aufsichtsrechtlichen Genehmigung und Überprüfung. Demnach können die Aufsichtsbehörden festlegen, dass Institute mit komplexen Risiken in bestimmten Risikoklassen die volle SbM anstelle der R-SbM anwenden müssen, auch wenn sie die oben genannten Kriterien erfüllen.

Ferner sollten Kreditinstitute melden, wenn in ihren Handelsbuchpositionen Risikofaktoren erscheinen, die nicht ausreichend von der R-SbM erfasst sind oder quantitative Schwellenwerte überschreiten, welche sie von der berechtigten Verwendung der R-SbM ausschließen würden. Eine Teilnutzung zwischen R-SbM und SbM ist mithin nicht zulässig.

Bis zum 27. September 2017 können Markteilnehmer ihre Stellungnahmen beim Basler Ausschuss einreichen, die der Ausschuss prüft und in die finale Bearbeitung des vereinfachten Standardansatzes einfließen lässt.

Beruhend auf unseren bisherigen Erfahrungen im Rahmen von FRTB Vorstudien empfehlen wir besonders kleineren Kreditinstituten, sich jetzt mit der vereinfachten sensitivitätsbasierten Methode und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Eigenkapitalunterlegung auseinanderzusetzen. Impavidi ist Ihr kompetenter Beratungspartner rund um die Anforderungen des FRTB.


 

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