02.05.2017: EZB fordert von Banken Strategien im Umgang mit notleidenden Krediten.

Kredit

Am 20. März 2017 veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren finalen Leitfaden zu notleidenden Krediten (Non-performing Loans, NPL). Damit verfolgt die EZB das Ziel, die Anzahl der notleidenden Kredite in den Bilanzen der europäischen Banken zu verringern, um gleichzeitig die Wirtschaft zu stärken. Es ist ein wichtiger Schritt, die Problematik der notleitenden Kredite im Euroraum zu bewältigen. Im Artikel vom 22.09.2016 „EZB stellt Leitfaden zu notleidenden Krediten zur Konsultation“ berichteten wir über die Vorgaben und Inhalte des Konsultationsentwurfs der EZB zum Umgang mit notleidenden Krediten.

Der veröffentlichte endgültige Leitfaden gilt ausschließlich für bedeutende Kreditinstitute, die durch die EZB beaufsichtigt werden, und für deren nationale, europäische und internationale Tochtergesellschaften. Er enthält Maßnahmen, Verfahren und Best Practices für Kreditinstitute, wie sie mit notleidenden Krediten umzugehen haben. Mit dem Leitfaden werden die Kreditinstitute angehalten, eine realistische und ehrgeizige Strategie auszuarbeiten und Maßnahmen zu implementieren, um notleidende Kredite wirksam zu verwalten und letztlich zu verringern. Diese Strategie könnte eine Reihe möglicher Richtlinien zu Themen wie NPL-Abwicklung, Servicing und Portfolioverkäufe enthalten. Sie soll darauf abzielen, das NPL-Problem in seiner Gesamtheit zu beheben und dementsprechend die Bereiche Governance und Risikomanagement einzubeziehen. Dazu wird angeregt, den Führungskräften Anreize zur Umsetzung von NPL-Abbaustrategien anzubieten. Weiterhin ist hervorzuheben, dass die EZB keine quantitativen Zielwerte für den Abbau von notleidenden Krediten vorgibt.

Nach Beendigung der Konsultationsphase im November 2016 trafen eine Vielzahl an Kommentaren zu dem Leitfaden-Entwurf ein. Die EZB hat einzelne Kritikpunkte aufgegriffen und Änderungen beim Leitfaden vorgenommen. Eine der maßgeblichen Änderungen bestand darin, dass die „Übertragung von NPL-Risiken“ näher erläutert wurde. Des Weiteren hat die EZB den Zeitplan für die Umsetzung des Leitfadens präzisiert. Sie hat beispielsweise festgelegt, dass der Leitfaden ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung gilt. Schließlich wurde klargestellt, dass die Anforderungen an die Sicherheitenbewertung nur für notleidende Kredite, aber nicht für nicht notleidende Risikopositionen gelten.

Der Leitfaden ist kein rechtsverbindliches Instrument. Allerdings müssen Banken hinreichend begründen, wenn sie von den Empfehlungen der EZB abweichen. Die EZB fordert, dass bedeutende Banken mit einem hohen Bestand an notleidenden Krediten den Leitfaden in vollem Umfang einhalten sollen. Dagegen räumt sie ein, dass andere bedeutende Institute mit einem vergleichsweise niedrigen Gesamtbestand an notleidenden Krediten nur einzelne Kapitel befolgen müssen.

Der Leitfaden soll zukünftig ein fester Bestandteil des fortwährenden Dialogs zwischen Aufsicht und Kreditinstituten sein und wird im Rahmen des regelmäßigen aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) des SSM entsprechend berücksichtigt. Dabei orientiert sich die EZB am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und wird in Zukunft Banken so eng begleiten, wie es angesichts der Größe des Bestands an notleidenden Krediten und des Ausmaßes der NPL-Problematik des jeweiligen Institutes geboten ist. Die betroffenen Banken mit einem hohen Gesamtbestand an notleidenden Krediten werden von der EZB separat angeschrieben, um ihre NPL-Bestände gemäß den Forderungen der EZB zu steuern und abzubauen. Sie sind dann in der Pflicht, quantitative Ziele und Richtlinien im Umgang mit notleidenden Krediten zu definieren sowie glaubwürdige Zeitpläne für die Umsetzung aufzustellen. Wenn die Strategien feststehen, müssen sie gemeinsam mit dem Aufsichtsteam der EZB erörtert werden. Hierfür werden die Umsetzungsfristen mit dem Aufsichtsteam vereinbart. Der Prozess verläuft schrittweise und kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Werden die Bestimmungen der EZB nicht eingehalten, kann es zu aufsichtliche Maßnahmen führen.

Der Leitfaden betrifft zunächst systemrelevante Banken. Allerdings sind wir überzeugt, dass die Anforderungen über kurz oder lang alle Banken über die MaRisk erreichen werden. Auch wenn das Proportionalitätsprinzip Anwendung findet, werden die grundsätzlichen Governance-Strukturen in der gesamten Finanzbranche gefordert sein.

Auch wenn sich deutsche Finanzinstitute im europäischen Vergleich in der Regel nicht durch einen hohen Bestand an notleidenden Krediten für eine allumfassende Einhaltung des NPL-Leitfadens qualifizieren dürften, unterstützt eine Überprüfung der NPL-Prozesse im Rahmen einer Selbsteinschätzung die Diskussionen im SREP-Verfahren nachhaltig. Ursachenforschung, Dokumentation der Maßnahmen und die Analyse operativer Kapazitäten sollten fest im internen Kontrollsystem der Banken verankert sein.

Das impavidi Team steht Ihnen beim Thema „notleidender Kredite“ als Experte zur Seite. Wir unterstützen Ihr Institut bei der Selbsteinschätzung und begleiten Sie in der Umsetzungsphase.

 

Quelle: EZB


 

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