03.04.2017: Fundamental Review of the Trading Book – Herausforderung und Chance zugleich

Handelsbuch

Das Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) ist die Reaktion des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) auf die Finanzkrise 2008 und die daraus identifizierten Schwächen bei der Bewertung und Eigenkapitalunterlegung für Marktrisiken.

Hauptziel des BCBS Rahmenwerks ist die Schaffung von Transparenz basierend auf einer Vereinheitlichung der zu erfüllenden Marktrisikokriterien für alle Banken, unabhängig von Größe und Ausrichtung. Der allgemeingültige neue Standardansatz gilt für alle Institute ab einem Handelsbuchvolumen von 300 Mio. EUR und versteht sich sowohl als geeignetes Risikomaß für Banken mit geringer Handelstätigkeit als auch als Fallback-Szenario und Untergrenze für Banken mit eigenem internen Modell.

Die wichtigsten Bestandteile von FRTB im Überblick:

  • Überarbeitung der Handelsbuchabgrenzung:
    Strengere Regeln für die Abgrenzung zwischen Handels- und Bankbuch. Die Umwidmung zwischen Handels- und Bankbuch ist nur in Ausnahmefällen zulässig und auch die Anforderungen an den internen Risikotransfer wurden überarbeitet und strenger definiert.

  • Überarbeitung des Standardansatzes (SA):
    Alle Institute müssen ab 2019 die Eigenkapitalunterlegung für alle Marktpreisrisiken nach einem neuen sensitivitätsbasierten Standardansatz berechnen[1]. Die Kapitalanforderung SA ergibt sich als Summe des Vega, Delta, Gamma Risikos, inkludiert eine Default Risk Charge zur Berücksichtigung von Ausfallrisiken aus Handelsgeschäften und ein Add-on für Risikofaktoren, die nicht über Sensitivitäten modellierbar sind.

  • Überarbeitung des Internen Modell Ansatzes (IMA):
    Institute, die bisher ein internes Modell genutzt haben, müssen sich unter anderem auf ein strenges Genehmigungsverfahren auf Desk-Ebene und auf eine Expected Shortfall (ES) basierte Berechnungsmethode unter Berücksichtigung produktspezifischer Halteperioden (je nach Risikotyp von 10 bis 120 Tage) einstellen. Die ES-Berechnung wird an einer Stressperiode kalibriert. Dabei dürfen nur ausreichend liquide Risikofaktoren verwendet werden. Die Kapitalanforderung IMA ergibt sich aus dem errechneten ES und einem Stressed Capital Add-on für im Modell berücksichtigte, aber nicht modellierbare Risikofaktoren.

  • Einführung der Default Risk Charge (DRC) IMA:
    Die in Basel 2.5 eingeführten Kapitalunterlegungen für Ausfall- und Migrationsrisiken (IRC, CRM) für interne Modelle werden durch die DRC abgelöst. Die DRC wird bei der aggregierten Kapitalunterlegung berücksichtigt und modelliert das Ausfallrisiko von Kredit- und Aktienhandel.

Die Finalisierung der FRTB-Implementierung ist für Januar 2019 vorgesehen. Ab Ende 2019 erwartet die Aufsichtsbehörde bereits Risikomeldungen unter Berücksichtigung der neuen Standards. Aufgrund der Komplexität und spürbaren Auswirkungen auf das Marktrisiko-Framework (Strategie, Prozesse, Modellvalidierung, Stresstests) und vor allem auf die IT-Landschaft der Bank ist zu empfehlen, sich frühzeitig mit den Anforderungen auseinander zu setzen. Die frühzeitige Identifizierung von institutsspezifischen Handlungsfeldern und Auswirkungen birgt die Chance, rechtzeitig und kosteneffizient Maßnahmen zu treffen bzgl. der Optimierung von Portfolien und Desk-Strukturen, der Anpassung von Prozessen, Systemen und Schnittstellen.

Beruhend auf unseren bisherigen Erfahrungen im Rahmen von FRTB Vorstudien schlägt das impavidi Team folgende Vorgehensweise vor:

impavidi Vorgehensweise FRTB
© impavidi GmbH

Impavidi ist Ihr kompetenter Beratungspartner auf dem FRTB-Weg von der Konzeption bis zur finalen Umsetzung, von der Anpassung von Prozessen und Policies bis hin zur Überarbeitung der Geschäfts- und Risikostrategie.


 

[1] Ausgenommen davon sind Banken mit einem Handelsbuchvolumen unter 300 Mio. EUR:
a) Handelsbuch < 50 Mio. EUR oder < 5% der Bilanzsumme: Handelsbuch kann wie bisher wie Bankbuch behandelt werden (keine Änderung).
b) Handelsbuch < 300 Mio. EUR oder < 10% der Bilanzsumme: Banken dürfen den vereinfachten Standardansatz verwenden (keine Änderung).


 

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