19.12.2016: FinTechs – Revolution im Bankensektor?

Finanzthemen auf dem Tablet

Lösen FinTechs (Financial Technology-Unternehmen) wirklich eine Revolution in der Finanzindustrie aus? Können sie tatsächlich Finanzdienstleistungen neu definieren und damit den Bankensektor von Grund auf verändern? Oder stellen sie nur eine bessere Alternative zu den bekannten Online-Vertriebswegen dar?

Diesen Fragen ist Herr Markus Becker-Melching, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., nachgegangen. In seinem Keynote-Vortrag bei der 2. Banken Challenge 2020, dem Jahresforum für Innovation, CRM und CX in der Bankenbranche, welche am 23. und 24.11.2016 in Köln stattfand, erläutert er, inwieweit FinTechs in der Lage sind, das traditionelle Bankensystem abzulösen. In diesem Zusammenhang stellt er die Erfolgsvoraussetzungen und Perspektiven von Finanzdienstleistern und FinTechs heraus.

Die veränderten Anforderungen von Kunden an Bankenprodukten zwingen Banken dazu, ihre Vertriebswege neu zu überdenken. Bei der Kundenentscheidung für ein Finanzprodukt bzw. einen Finanzdienstleister fallen verschiedene Faktoren ins Gewicht, z.B.:

  • gute und zuverlässige Beratung,
  • seriöse und sichere Finanzprodukte,
  • gutes Preis-/Leistungsverhältnis,
  • individuelle Dienstleistung,
  • schneller und einfacher Zugang sowie
  • Angebot aus einer Hand.

FinTechs haben dies bereits erkannt und nutzen die Chance, um den Kunden eine bessere Alternative z.B. beim Service zu bieten. Sie bieten Lösungen an, die auch eine Bank im Angebot hat, z.B. Kredite und Finanzierungen, Konten und Karten, Electronic Banking, E-Commerce, Versicherungen und Altersvorsorge.

Aus dem FinTech-Adoption Index (2016) geht hervor, dass ein Großteil der Nutzer von FinTech-Produkten und -Dienstleistungen unter 35 Jahre alt sind. Die Gründe der Nutzung sind vielfältig: Sie wollen schneller und einfacher ein Konto eröffnen, einen unkomplizierten Zugang zu unterschiedlichen Finanzprodukten von einer Plattform aus haben sowie einen verbesserten Service nutzen. Bei den FinTech-Produkten handelt es sich zum größten Teil um Finanzprodukte aus dem Bereich Bezahlen, Investment/Sparen, Versicherungsprodukte und Kredite. Diejenigen, die die FinTech-Produkte zurzeit noch nicht nutzen, geben als Gründe an, dass sie keinen Bedarf haben, die FinTech-Produkte nicht kennen oder zufrieden mit ihrem „traditionellen“ Anbieter sind. Es ist allerdings nur eine Frage der Zeit, bis diese Verbrauchergruppe auch die Produkte von FinTechs und deren Vorteile kennenlernen und sich bei Bankgeschäften gegen ihren „traditionellen“ Anbieter entscheiden können.

Mittlerweile sind die Banken aufgewacht und gehen in die Offensive. Sie versuchen sich selbst als FinTechs und investieren in die Entwicklung von Produkten zur Digitalisierung im Privat- und Firmenkundengeschäft.

Wie wird sich die Zukunft in der Finanzindustrie gestalten? Übernehmen FinTechs die Finanzdienstleistungen oder können sich die traditionellen Banken wehren? FinTechs bieten einen hohen Innovationsgrad und eine hohe Convenience und setzen ihren Fokus auf den Kundennutzen, wodurch sie stärker Marktanteile gewinnen werden. Banken hingegen, so ist Becker-Melching überzeugt, können mit langfristigen Kundenbeziehungen, hohen Produkt- und Kundenschutzstandards, einem hohen Vertrauen und einem breiten Produktangebot für alle Kundengruppen auftrumpfen.

Eine Verdrängung der traditionellen Banken sowie eine revolutionäre Änderung der Finanzdienstleistungen werden daher nicht stattfinden. Die Mehrzahl der Finanzdienstleistungen bleibt laut Becker-Melching weiterhin in der Hand von Banken. In Zukunft geht es eher darum, dass Banken und FinTechs gemeinsame Kooperationen eingehen und Synergien nutzen werden.

Inwieweit Becker-Melchings Prognosen eintreffen werden, zeigt die Zukunft. Bisher haben FinTechs jedoch bewiesen, dass sie den Banken mit neuen Ideen immer einen Schritt voraus sein können. Die Investitionen in die Entwicklung innovativer Produkte und Digitalisierung sind daher ein Schritt in die richtige Richtung. Denn nur auf das Vertrauen der Kunden und langfristige Kundenbeziehungen zu setzen, dürfte in Zukunft für Banken nicht mehr reichen.  


 

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