22.09.2016: EZB stellt Leitfaden zu notleidenden Krediten zur Konsultation.

Kreditkarten und Geldscheine

Eine Reihe von Banken in den EU-Mitgliedstaaten besitzen derzeit eine hohe Anzahl von notleidenden Krediten. Dabei handelt es sich um Kredite, die wertberichtigt wurden oder bei denen der Schuldner in Zahlungsverzug gerät. Der hohe Bestand an notleidenden Krediten hat letztlich negative Auswirkungen auf die Kreditvergabe an die Wirtschaft – darüber ist man sich im Großen und Ganzen einig.

Aus diesem Grund hat die Europäische Zentralbank (EZB) einen Leitfaden entwickelt, den Sie zur Konsultation stellt. Bis zum 15.11.2016 können Stellungnahmen zum Leitfaden bei der EZB eingereicht werden. Eine öffentliche Anhörung dazu findet am 07.11.2016 in Frankfurt am Main statt. Nach der Konsultationsphase wird der Leitfaden fertiggestellt und in den kommenden Monaten veröffentlicht.

Der Leitfaden empfiehlt, dass Banken mit einem hohen Bestand an notleidenden Krediten im Einklang mit ihrem Geschäftsplan und ihrem Risikomanagementsystem klar aufzeigen, wie sie ihren Bestand an solchen Krediten wirksam verwalten und letztlich verringern können. Im Rahmen dieser Strategie sollen quantitative Ziele für die einzelnen Portfolios festgelegt und ein Umsetzungsplan erstellt werden. Laut EZB sind die Banken aufgefordert, geeignete Governance- und Durchführungsstrukturen einzurichten, um notleidende Kredite effektiv abwickeln zu können. Dazu wird angeregt, die Geschäftsleitung der Bank stark einzubinden, spezialisierte Abwicklungseinheiten einzurichten und klare Grundsätze für die Abwicklung festzulegen. Schließlich gibt der Leitfaden Hinweise zur Rechnungslegung, zur Bewertung der Forderungen und Sicherheiten sowie zur Definition notleidender Kredite. Ziel ist es, die Anzahl der notleidenden Kredite in den Bilanzen der europäischen Banken zu verringern, um gleichzeitig die Wirtschaft zu stärken.

Zur Vorbereitung des Leitfadens hat die EZB in acht europäischen Ländern die rechtlichen und aufsichtlichen Rahmenbedingungen sowie bewährte Verfahren hinsichtlich notleidender Kredite untersucht. Die Ergebnisse sind unter dem folgenden Link einsehbar: https://www.bankingsupervision.europa.eu/legalframework/publiccons/pdf/npl/stock_taking.en.pdf.

Die neuen Anforderungen des Leitfadens gelten zunächst für systemrelevante Banken. Mit Einführung des EZB-Leitfadens stehen sie vor einer großen Herausforderung im Umgang mit notleidenden Krediten. Sie müssen in Zukunft ihre Strategien anpassen, ihre Verfahren optimieren sowie jegliche Abweichungen den Aufsichtsbehörden erklären und begründen können. Zuwiderhandlungen können Aufsichtsmaßnahmen nach sich ziehen.

Wie in bisherigen Neuerungen der Regulative werden die Anforderungen aber über kurz oder lang alle Banken über die MaRisk erreichen. Auch wenn das Proportionalitätsprinzip Anwendung findet, werden die grundsätzlichen Governance-Strukturen in der gesamten Bankbranche gefordert sein.

Das impavidi Team steht Ihnen beim Thema „notleidender Kredite“ als Experte zur Seite.


 

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