09.11.2016: EBA-Leitlinien zu Expected Credit Losses: Wird der Entwurf überarbeitet?

Bilanzierung von erwarteten Kreditverlusten

Der Entwurf der EBA-Leitlinien zur Kreditrisikomanagement-Praxis und der Bilanzierung erwarteter Kreditverluste von Kreditinstituten (Expected Credit Losses, ECL) stand bis Ende Oktober 2016 zur Konsultation. Viele Verbände, Institute und Organisationen nutzten die Konsultationsphase, um ihre Bedenken und Änderungswünsche gegenüber dieser Leitlinien an die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zu äußern. So kritisierte der Bundesverband deutscher Banken e.V. als Sprachrohr der Deutschen Kreditwirtschaft in seiner  Stellungnahme, dass die EBA-Vorschläge in einigen Bereichen deutlich über den Anforderungen des International Financial Reporting Standard 9 (IFRS 9) liegen und dem Prinzip der Proportionalität entgegen wirken. Er ist der Meinung, dass es sinnvoller sei, einen stärkeren prinzipienbasierten Ansatz zu wählen, der die Spezifika und Geschäftsmodelle von Banken besser berücksichtigt.

Die vorgeschlagenen EBA-Leitlinien zu Expected Credit Losses basieren auf den im Dezember 2015 veröffentlichten 11 Prinzipien des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS 350) und stellen größten Teils eine Direktüberführung der BCBS Fassung dar. Die EBA-Leitlinien verfolgen das Ziel, dass Kreditinstitute ein zuverlässiges Kreditrisikomanagement bei der Umsetzung und der laufenden Verwendung von ECL-Berechnungsmodellen gewährleisten. Sie enthält u.a. acht Prinzipien zur Kreditrisikomanagement-Praxis und zur Bilanzierung erwarteter Kreditverluste, die sich an die Institute richten. So wird von den Kreditinstituten gefordert, dass sie ein geeignetes Modell zur Berechnung von erwarteten Kreditausfällen implementieren. Weiterhin müssen sie geeignete Maßnahmen für das Kreditrisikomanagement durchführen und ein effektives internes Kontrollsystem (IKS) betreiben.

Die vom International Accounting Standards Board (IASB) akzeptierten Erleichterungen werden jedoch insbesondere für die Ausübung der Low Credit Risk Exemption als nicht akzeptabel für ein modernes Risikomanagementsystem eingestuft: Dabei ist der Risikogehalt der in Frage stehenden Geschäfte auch historisch nachprüfbar eher als gering einzustufen.

Die geforderten Maßnahmen müssen die Geschäftsführung und das Verwaltungsorgan der Kreditinstitute sicherstellen und durch regelmäßige Kontrollen überprüfen. Ferner haben die Wertberichtigungen mit den Zielen des Rechnungslegungsrahmens übereinzustimmen.

Überdies enthält die Leitlinie einen ausführlichen Abschnitt zur Anwendung von IFRS 9 Finanzinstrumenten sowie drei Prinzipien zur Überwachung der Kreditrisikomanagement-Praxis, der Bilanzierung erwarteter Kreditverluste und der Gesamtkapitalausstattung, die von den Aufsichtsbehörden beachtet werden müssen.

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde beabsichtigt, im 1. Quartal 2017 die Leitlinien unter Berücksichtigung der eingegangenen Stellungnahmen fertigzustellen. Inwieweit gravierende Änderungen des Entwurfes vorgenommen werden, bleibt abzuwarten. Es ist geplant, dass die Leitlinien bis zum 1. Januar 2018 umzusetzen sind.

 

Weiterführende Informationen:

PDF Icon Konsultationspapier der Leitlinie zur Kreditrisikomanagement-Praxis und der Bilanzierung erwarteter Kreditverluste (EBA-CP-2016-10)

PDF Icon Präsentation vom Public Hearing


 

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